Edelstahl lasern – Dicke Bleche und Wärmeverzug

Veröffentlicht am
February 6, 2026
Edelstahl lasern
Inhalt

Ein Laserschneider für Metall ist heute mehr als ein isoliertes Werkzeug. Der Beitrag erklärt, wie Laser funktionieren, welche Laserarten (CO₂, Faser, Nd:YAG, UV) es gibt, welche Toleranzen typischerweise erreicht werden, wie Sie das passende System auswählen und wie Metall biegen nach dem Schnitt optimal vorbereitet wird. Sie erhalten Checklisten für Anfragen, Richtwerte für Biegeradien und Hinweise zur Integration in automatisierte Fertigungslinien.

Beim Lasern von Edelstahl stehen Sie vor zwei Kernthemen: dicke Bleche erfordern hohe Leistung und feine Parameterwahl, während unerwünschter Wärmeverzug die Maßhaltigkeit gefährdet. Edelstahl ist zäh, reflektiert Laserlicht und besitzt eine geringe Wärmeleitfähigkeit. Beim Zuschnitt dicker Platten entsteht in kurzer Zeit viel Hitze, die sich nur langsam verteilt. Wenn Sie nicht wissen, wie Sie Leistung, Geschwindigkeit, Gas und Fokus kombinieren, riskieren Sie Grate, Verfärbungen und bauteilbedingte Spannungen. Dieser Beitrag erläutert das Zusammenspiel von Material, Maschine und Prozessparametern. Danach können Sie klare Entscheidungen treffen – etwa welche Laserklasse zu Ihrer Materialdicke passt, wie Sie Verzug vermeiden und wie Sie das fertige Bauteil biegen oder pulverbeschichten.

Grundlagen des Edelstahl-Laserschneidens

Funktionsprinzip und Materialeigenschaften

Edelstahl besteht aus Eisen mit Legierungsanteilen wie Chrom und Nickel. Diese Legierungen machen ihn korrosionsbeständig, erhöhen aber auch die Reflexionsfähigkeit und verändern die Wärmeleitfähigkeit. Beim Laserschneiden werden Photonen in einem Resonator erzeugt und über Spiegel oder Glasfaserkabel zur Fokussieroptik geführt. Dort wird der Strahl auf einen winzigen Fleck gebündelt. Durch die hohe Energiedichte schmilzt, verdampft oder sublimiert das Metall, und ein Gasstrahl bläst die Schmelze aus dem Schnittspalt. Dicke Bleche absorbieren mehr Energie und leiten Wärme langsamer ab, wodurch der Schnitt länger dauert. Edelstahl reflektiert Strahlung im Infrarot-Bereich stärker als Baustahl, weshalb CO₂‑Laser mit 10,6 µm Wellenlänge weniger effizient sind. Faserlaser (Wellenlänge ~1 µm) werden besser absorbiert und liefern daher eine bessere Energiekopplung.

Der Prozess lässt sich in drei Phasen einteilen:

  • Absorption und Aufschmelzen: Der Laser bringt das Material lokal über den Schmelzpunkt. Edelstahl reflektiert zunächst und beginnt erst bei steigender Temperatur zu absorbieren.
  • Phasenwechsel und Materialauswurf: Bei ausreichender Energie verdampft das Metall oder es entsteht eine Schmelze, die mit dem Assistenzgas aus dem Schnittspalt entfernt wird.
  • Erstarrung und Wärmediffusion: Nach dem Schnitt kühlt das Material ab. Hier entsteht die Wärmebeeinflussungszone (HAZ), in der die Gefügestruktur verändert ist.

Lasertypen und ihre Eignung für Edelstahl

CO₂‑Laser erzeugen die Strahlung in einem Gasgemisch. Sie schneiden dicke Edelstahlplatten relativ ruhig und erzeugen glatte Schnittflächen, benötigen jedoch viel Energie und intensiven Wartungsaufwand. Typische Toleranzen liegen bei ± 0,1 mm bis ± 0,5 mm, und sie eignen sich für Platten bis etwa 20 mm, sofern ein leistungsstarkes System vorhanden ist.

Faserlaser werden in einem Glasfaser‑Dopingsystem erzeugt. Durch die kurze Wellenlänge werden sie von Edelstahl effizient absorbiert. Die Energieeffizienz liegt bei über 30 %, und die Wartung beschränkt sich auf Kühlung und Optik. Faserlaser erreichen Toleranzen von ± 0,05 mm bis ± 0,2 mm und sind 2–4 mal schneller als CO₂‑Laser. Für Bleche bis 12–20 mm sind sie die erste Wahl, vorausgesetzt die Leistung liegt bei 3 kW oder höher.

Disk‑ und Nd:YAG‑Laser erzeugen Strahlung in einem festen Kristall. Sie erreichen sehr hohe Peakleistungen und eignen sich für reflektierende Metalle oder besonders feine Schnitte. Toleranzen von ± 0,025 mm sind möglich; die Energieeffizienz ist allerdings gering, und die Investitionskosten sind hoch.

Für den Schnitt dicker Edelstahlbleche ab 20 mm werden zunehmend Hochleistungslaser mit 8–30 kW eingesetzt. Mit 30 kW lassen sich 15‑mm‑Bleche bei etwa 7,5 m /min schneiden und 20‑mm‑Bleche bei rund 6 m /min. Ab 50 mm sinkt die Geschwindigkeit drastisch auf wenige Zentimeter pro Minute – hier sollten alternative Verfahren wie Wasserstrahl‑ oder Plasma‑Schneiden geprüft werden.

Edelstahl lasern

Einfluss der Blechdicke auf Schnittqualität

Je dicker das Material, desto mehr Energie muss zugeführt werden. Bei dünnen Blechen (<3 mm) erreicht der Laser hohe Geschwindigkeiten, und die HAZ bleibt sehr klein. Ab 5 mm steigt die benötigte Laserleistung stark an, und die Schnittgeschwindigkeit muss reduziert werden, um einen vollständigen Durchstich zu gewährleisten. Dies führt zu breiteren Schnittspalten und einer größeren HAZ, was die Qualität nachfolgenden Biegeprozesse beeinflusst. Darüber hinaus erhöht sich der Gasverbrauch, insbesondere beim Schneiden mit Stickstoff, der für Edelstahl bevorzugt wird, um eine Oxidation zu vermeiden.

Typische Richtwerte für die maximale Materialstärke in Abhängigkeit von der Laserleistung sind:

  • 500 W: bis ca. 3 mm (einfache Geometrien, langsame Geschwindigkeit).
  • 1000 W: bis ca. 5 mm; gängiger Wert für allgemeine Konstruktionen.
  • 2000 W: bis 8–10 mm; geeignet für industrielle Serienfertigung.
  • 3000 W und mehr: bis 12–20 mm, wenn Kühlung und Gasführung ausgelegt sind.

Über 25 mm nimmt die Schnittqualität stark ab; hier kommen alternative Verfahren oder Mehrfachschnitte (Multi‑Pass) zum Einsatz.

Grenzen bei dicken Edelstahlblechen

Maximale Dicke und Laserleistung

Die Frage, wie dick Edelstahl geschnitten werden kann, hängt von mehreren Faktoren ab: Laserleistung, Materialgüte, Assistenzgas, Fokus und Geschwindigkeit. Die Praxis zeigt, dass die meisten industriellen Laseranlagen Edelstahl bis 10–20 mm wirtschaftlich trennen können. Bei 1000 W Leistung liegt die Grenze bei etwa 5 mm; 2000 W schaffen 8–10 mm; 3000 W und mehr ermöglichen 12–20 mm. Höhere Leistungen führen zwar zu tieferen Einschnitten, erhöhen aber den Wärmeeintrag und die Betriebskosten.

Daneben spielt die Stahlgüte eine Rolle: 304 Edelstahl schneidet sich leichter als 316 oder 1.4571, da höhere Legierungsanteile die Wärmeleitung verringern. Stickstoff wird als Gas eingesetzt, um Oxidation zu verhindern und eine glänzende Schnittkante zu erzeugen. Sauerstoff erhöht die Schneidgeschwindigkeit, erzeugt aber Oxid und verursacht Blauverfärbungen.

Qualitätskriterien bei dickem Laserschnitt

Um die Schnittqualität zu bewerten, werden mehrere Merkmale betrachtet:

  • Rauheit: Feine parallele Linien entlang der Schnittkante kennzeichnen das Verfahren. Je flacher die Linien, desto geringer ist die Rauheit.
  • Vertikalität: Bei starken Blechen kann der Strahl divergieren. Eine Abweichung zwischen oberem und unterem Schnittspalt deutet auf falsche Fokussierung hin.
  • Schnittbreite: Eine größere Breite führt zu Verzug bei kleinen Innenkonturen; sie muss in der CNC‑Programmierung kompensiert werden.
  • Burrs (Grate): Grate erfordern Nacharbeit; deren Minimierung ist ein Qualitätsmerkmal.
  • Wärmebeeinflussungszone: Die Tiefe der HAZ gibt Auskunft über die mikrostrukturellen Veränderungen.
  • Verzug: Dicke Bleche können sich nach dem Schneiden verformen, wenn die Hitze nicht gleichmäßig verteilt wurde.

Ein sauberer Schnitt weist geringe Rauheit, hohe Vertikalität, minimale Grate und eine schmale HAZ auf. In der Praxis wird mit Probe­schnitten und Parameterstudien gearbeitet, um das bestmögliche Ergebnis zu erreichen.

Herausforderungen und Fehlerbilder

Dicke Edelstahlplatten bringen spezifische Herausforderungen mit sich:

  • Kantenrauheit und Grate: Je dicker das Material, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass geschmolzenes Metall an der Unterkante erstarrt. Reduzierte Geschwindigkeit und unsaubere Gasführung verstärken dieses Problem.
  • Erweiterte HAZ und Verfärbungen: Langsamer Vorschub und hohe Leistung erzeugen breite Zonen mit Gefügeänderungen und können bläuliche oder braune Oxidschichten (Hitzezonen) hervorrufen.
  • Langsame Produktionsgeschwindigkeit: Für Materialstärken >15 mm müssen Parameter reduziert werden, um eine sichere Durchdringung zu erzielen. Dadurch sinkt die Stückzahl pro Stunde.
  • Hoher Gasverbrauch: Bei dicken Blechen wird mehr Stickstoff benötigt, um die Schmelze aus dem Schnitt zu drücken. Das erhöht die Kosten.
  • Reflexionen und Geräteschutz: Edelstahl reflektiert Laserstrahlen; ohne passende Optik und Sensorik können Strahlungen zur Beschädigung des Lasers führen.

In solchen Fällen lohnt es sich, mit dem Dienstleister alternative Schneidmethoden zu prüfen, wie Wasserstrahl- oder Plasmaschnitt oder Mehrfachschnitte bei sehr dicken Platten.

Wärmeverzug und thermische Belastung

Ursachen des Wärmeverzugs

Beim Schneiden dicker Bleche wird auf engem Raum extrem viel Wärme eingebracht. Die Wärme breitet sich radial vom Schnittspalt aus und verursacht einen Temperaturgradienten: unmittelbar an der Schnittkante ist das Material flüssig oder gasförmig, wenige Millimeter weiter bleibt es fest. Dieses Gefälle führt zu räumlicher Ausdehnung am heißen Bereich und anschließend zu Schrumpfung, wenn das Material abkühlt. Ungleichmäßige Abkühlung erzeugt Residualspannungen, die sich nach dem Schneiden entladen. Die Folge sind Bauteile, die sich verziehen oder wölben.

Materialeigenschaften verstärken diesen Effekt: Edelstahl besitzt eine niedrigere Wärmeleitfähigkeit als Baustahl, sodass Hitze lokal bleibt; Chrom und Nickel erhöhen die Reflektivität, wodurch die Anfangsenergie nicht vollständig absorbiert wird. Dünne Bleche sind flexibler und neigen stärker zu Verzug; sehr dicke Bleche speichern mehr Wärme und kühlen langsamer ab, was ebenfalls Spannungen erzeugt.

Einflussfaktoren auf den Verzug

Materialzustand: Walzplatten besitzen bereits innere Spannungen. Beim Schneiden werden diese freigesetzt und können zu Verformungen führen.

Maschinenparameter: Niedrige Geschwindigkeit und hohe Leistung erhöhen den Wärmeeintrag. Der Einsatz von Sauerstoff steigert die Verbrennung, während Stickstoff oder Druckluft kühlend wirken. Negative Fokuseinstellungen ziehen die Schmelze nach oben und reduzieren HAZ.

Bauteildesign und Verschachtelung: Kleine Teile mit vielen Aussparungen sammeln mehr Hitze. Dicht verschachtelte Teile übertragen Wärme zwischen den Konturen. Lange schmale Stege können sich unter dem Gewicht der Schmelze verformen.

Strategien zur Minimierung des Wärmeverzugs

Das Zusammenspiel aus Planung und Prozessoptimierung minimiert Verzug. Erfahrene Laserbetriebe setzen folgende Methoden ein:

  • Optimierte Schnittreihenfolge: Schneiden Sie zunächst Innenkonturen (Lochungen, Ausschnitte) und danach die Außenkontur. Auf diese Weise bleiben die Bauteile bis zum Schluss fixiert und verziehen sich weniger.
  • Sprung- und Versatzmuster: Statt Bauteile nacheinander zu schneiden, verteilen Sie die Schnitte über die gesamte Platte. So kann der vorherige Bereich abkühlen, bevor die nächste Kontur in der Nähe geschnitten wird.
  • Innen nach außen: Starten Sie den Schnitt in der Plattenmitte und arbeiten Sie nach außen. Das restliche Material stützt das Bauteil und leitet Wärme ab.
  • Mikrostege (Tabs): Kleine Materialbrücken halten das Teil während des Schnitts an Ort und Stelle und fungieren als Wärmeableiter. Sie werden nach dem Schneiden manuell entfernt.
  • Höhere Schnittgeschwindigkeit und geringere Leistung: Schnelleres Schneiden reduziert die Verweilzeit des Strahls und somit den Wärmeeintrag. Die Kombination aus geringerer Leistung und höherer Geschwindigkeit kann die Oberfläche glätten, wenn die Durchdringung noch gewährleistet ist.
  • Assistenzgas und Luftstrom: Starke Gasströme blasen Schmelze und Hitze aus dem Schnittspalt, kühlen die Zone und reduzieren die HAZ.

Prozessparameter für dicke Edelstahlbleche

Auswahl von Leistung, Düse und Gas

Die Düsengröße beeinflusst die Form des Gasstrahls. Bei dünnen Blechen (<3 mm) werden Düsen mit etwa 2,0 mm verwendet. Für 3–10 mm empfiehlt sich eine 3,0‑mm‑Düse, und bei Blechen über 10 mm sind 3,5 mm oder größer üblich. Ein größerer Durchmesser erhöht den Gasfluss, entfernt Schmelze effektiver und stabilisiert den Schnitt.

Gasart und Reinheit:

  • Stickstoff verhindert Oxidation und erzeugt eine silberne Schnittkante. Es ist das bevorzugte Gas für Edelstahl und reduziert die Gefahr von Hitzeverfärbungen.
  • Sauerstoff erhöht die Schneidgeschwindigkeit, oxidiert jedoch die Kante und kann zu Zunder führen.
  • Druckluft ist kostengünstig, liefert aber weniger hochwertige Schnittkanten und wird eher bei Baustahl eingesetzt.

Die Gasreinheit sollte 99,995 % oder höher betragen, um Verunreinigungen im Schnitt zu vermeiden.

Laserleistung, Geschwindigkeit und Fokus

Die Wahl der Laserleistung hängt von der Materialdicke ab. Für 1 mm Edelstahl reichen 800–1 000 W, mit Geschwindigkeiten von 25–35 mm/s und einem Fokus leicht unterhalb der Oberfläche (negative Fokuslage). Ab 5 mm Dicke sind 2 000–3 000 W erforderlich; die Geschwindigkeit sinkt auf 6–10 mm/s, und der Fokus wird weiter in das Material verschoben (−0,6 bis −0,8 mm). Bei besonders dicken Blechen (>10 mm) werden 4 000–10 000 W eingesetzt, die Schnittgeschwindigkeit liegt bei wenigen Millimetern pro Sekunde.

Die Fokusposition bestimmt die Energieverteilung im Material. Ein negativer Fokus (unterhalb der Oberfläche) erzeugt einen breiteren Schnitt und sorgt dafür, dass die Schmelze nach oben gedrückt wird, was die Kante glättet. Ein positiver Fokus (über der Oberfläche) konzentriert die Energie auf die Oberfläche und ist bei dünnen Blechen sinnvoll.

Die Frequenz (bei gepulsten Faserlasern) beeinflusst die Energieverteilung. Niedrige Frequenzen führen zu feineren Schnittbildern, während zu niedrige Werte die Durchschneidung verhindern. Die Duty Cycle (Pulsbreite) sollte nicht zu klein gewählt werden, da sonst ungeschnittene Bereiche entstehen; zu große Duty Cycle erhöhen dagegen die Wärmeeinbringung und führen zu gelben oder rauen Schnittflächen.

Edelstahl lasern

Berücksichtigung des Lasertyps

Für Edelstahl ab 10 mm empfehlen sich Faserlaser mit mindestens 3 kW Leistung, da sie hohe Energiedichten bereitstellen und hohe Schnittgeschwindigkeiten bieten. CO₂‑Laser können dicke Bleche ebenfalls schneiden, benötigen aber deutlich mehr Energie und Wartung. Nd:YAG- oder Disk‑Laser eignen sich besonders für hochlegierte oder stark reflektierende Edelstähle, wenn sehr feine Kanten erforderlich sind. Ultra‑Hochleistungslaser (30 kW) können 15‑mm‑Bleche mit rund 7,5 m/min und 20‑mm‑Bleche mit etwa 6 m/min schneiden, benötigen jedoch teure Anlagen. Bei über 25 mm sind Wasserstrahl- oder Plasmaverfahren in Betracht zu ziehen, da der Laser eine sehr langsame Vorschubbewegung (<0,2 m/min) und hohen Gasverbrauch erfordern würde.

Weiterverarbeitung: Biegen und Pulverbeschichten

Einfluss der Schnittqualität auf das Biegen

Nach dem Laserschneiden folgt häufig das Biegen. Eine saubere Kante ohne Grate und eine niedrige HAZ erleichtern das präzise Biegen und verhindern Risse an der Außenseite des Radius. Für Edelstahl gilt: je größer der Innenradius, desto geringer die Gefahr von Anrissen und Härterissen. Für dünne Bleche können Sie kleine Radien verwenden; bei dicken Platten steigen die Radien proportional zum Materialdicke.

Die folgenden Werte bieten eine grobe Orientierung für Innenradien bei 90‑Grad‑Biegungen:

  • 0,5 mm Blechdicke: Stahl ca. 0,5–1,7 mm; Edelstahl 0,5–1,8 mm; Aluminium 1,3–2,1 mm.
  • 1,0 mm Blechdicke: Stahl ca. 1,0–2,5 mm; Edelstahl 1,0–2,5 mm; Aluminium 2,0–3,0 mm.
  • 3,0 mm Blechdicke: Stahl ca. 3,0–6,3 mm; Edelstahl 3,0–7,0 mm; Aluminium 3,8–7,5 mm.
  • 4,0 mm Blechdicke: Stahl ca. 4,0–8,0 mm; Edelstahl 4,0–9,0 mm; Aluminium 5,0–9,5 mm.
  • 6,0 mm Blechdicke: Stahl ca. 6,0–11,8 mm; Edelstahl 6,0–13,0 mm; Aluminium 7,5–15,0 mm.

Diese Bereiche hängen von der Werkzeuggeometrie, dem V‑Betriebsöffnungswinkel und der Festigkeit des Materials ab. Sie geben Ihnen einen realistischen Startpunkt.

Berechnung des Biegeradius und K‑Faktors

Der minimale Innenradius kann überschlägig als Produkt aus Materialdicke t und einem Faktor K berechnet werden: R = K × t. Für Edelstahl liegt K oft zwischen 0,8 und 1,5. Das bedeutet, dass bei einem 3‑mm‑Blech und K=1,25 ein minimaler Innenradius von 3,75 mm anzustreben ist. Bei weicheren Metallen wie Aluminium kann K < 1 liegen, während hochlegierte oder gehärtete Sorten einen K‑Faktor > 1,5 benötigen.

Die exakte Berechnung des Biegezugangs (Bend Allowance) erfordert den K‑Faktor (Position der neutralen Faser) und den Y‑Faktor (abhängig vom Biegeverfahren). Typische K‑Faktoren für 90‑Grad‑Biegungen liegen bei:

  • Mild Steel (weicher Stahl): 0,38–0,46.
  • Aluminium: 0,35–0,50.
  • Edelstahl: 0,34–0,50, wobei der höhere Wert bei kleinen Radien gilt.

Zur Berechnung der gestreckten Länge (Bend Allowance) wird der Innenwinkel in Bogenmaß, die Materialdicke und der Radius in die Formel eingetragen. Wenn Sie genaue Formeln nutzen möchten, sollten Sie Tools oder Tabellen einsetzen.

Neben der mathematischen Berechnung sind Materialeigenschaften, Biegerichtung (parallel oder quer zur Walzrichtung), Werkzeugverschleiß und Biegeverfahren (Freiformbiegen, Gesenkbiegen, Coining) wichtige Einflussgrößen. Materialien neigen zu Rückfederung; bei Edelstahl beträgt sie häufig 2–5 Grad. Daher wird bei präzisen Teilen ein etwas kleinerer Winkel programmiert und durch den Biegevorgang ausgeglichen.

Pulverbeschichten von Edelstahl – Vorbehandlung

Nach dem Schneiden und Biegen folgt häufig eine Oberflächenveredelung, z. B. die Pulverbeschichtung. Edelstahl kann pulverbeschichtet werden, erfordert jedoch eine sorgfältige Vorbehandlung, da die dichte Chromoxidschicht eine schlechte Haftung bietet.

Mechanische Vorbehandlung: Edelstahl sollte vor dem Beschichten angeraut werden. Sandstrahlen oder Glasperlenstrahlen entfernt die Oxidschicht und schafft eine raue Oberfläche, auf der das Pulver gut haftet. Bei konstruktiven Teilen, die im Außenbereich eingesetzt werden, verbessert dies den Korrosionsschutz erheblich.

Chemische Reinigung: Vor dem Strahlen ist eine gründliche Entfettung und Entfernung von Öl und Staub wichtig. Für Edelstahl eignen sich alkalische Reiniger und anschließendes Spülen mit demineralisiertem Wasser. Passivierungs- oder Haftprimer können die Haftung zusätzlich erhöhen.

Temporäre Vorspannung: Durch Tempern vor dem Beschichten kann Feuchtigkeit entfernt und Spannungen reduziert werden. Dies verhindert Blasenbildung beim Einbrennen der Beschichtung.

Da Edelstahllegierungen unterschiedlich zusammengesetzt sind, müssen in der Pulverauswahl kompatible Systeme verwendet werden. Nicht alle Pulversysteme sind für Edelstahl geeignet; Korrosionsschutz­anforderungen und Einsatzbedingungen bestimmen die Wahl. Beachten Sie, dass Edelstahl seltener pulverbeschichtet wird als Stahl oder Aluminium; es wird vor allem bei dekorativen oder hygienischen Anwendungen verwendet.

Edelstahl lasern pulverbeschichten

Checklisten und Entscheidungslogik

Checkliste Laserzuschnitt dicker Edelstahlbleche

Bevor Sie einen Auftrag vergeben, sollten Sie Ihre Anforderungen präzise formulieren. Nutzen Sie diese Checkliste, um eine fundierte Anfrage zu stellen:

  1. Materialgüte und Dicke: Geben Sie die genaue Legierung (z. B. 1.4301 oder 1.4571) und die Dicke in Millimetern an.
  2. Geometrie und Toleranzen: Stellen Sie CAD‑Zeichnungen bereit und definieren Sie zulässige Toleranzen für Abmessungen und Formabweichungen.
  3. Schnittqualität: Wünschen Sie glatte Kanten ohne Oxidschicht? Dann ist Stickstoff als Gas erforderlich. Geben Sie an, ob leichte Rauheit tolerierbar ist.
  4. Mindestlochgrößen und Stegbreiten: Bei dicken Blechen sollten Löcher und Schlitze mindestens so groß wie die Materialdicke sein, um saubere Ergebnisse zu erzielen.
  5. Menge und Seriengröße: Benennen Sie die Losgröße (Prototyp, Kleinserie, Serienfertigung), da diese die Wahl der Maschine und die Wirtschaftlichkeit beeinflusst.
  6. Bevorzugter Lasertyp: Falls Sie spezielle Anforderungen an die Oberflächengüte oder Geschwindigkeit haben, geben Sie an, ob ein Faserlaser oder CO₂‑Laser eingesetzt werden soll.
  7. Nacharbeit: Wird ein entgrateter oder gereinigter Zustand gewünscht? Definieren Sie, ob Schleifen oder Kantenverrundung erforderlich ist.
  8. Weiterverarbeitung: Wenn Biegen oder Pulverbeschichten folgen, sollte der Dienstleister die Schnittkante und das Material entsprechend vorbereiten (z. B. ohne Oxidschicht).

Checkliste für das Biegen dicker Edelstahlbleche

Auch beim Biegen sind detaillierte Spezifikationen wichtig:

  1. Blechdicke und Länge: Nenndicke, Biegelänge und Anzahl der Biegungen je Bauteil.
  2. Innenradius: Gewünschter Radius oder Hinweis auf funktionale Anforderungen; wenn unklar, nutzen Sie die oben genannten Richtwerte.
  3. Biegerichtung: Parallel oder quer zur Walzrichtung; bei paralleler Biegung steigt das Risiko von Rissen.
  4. Toleranzen: Geben Sie Winkel- und Längentoleranzen an. Standardmäßig liegen Winkelabweichungen bei ±1°, präzise Biegungen bei ±0,5°.
  5. Vorhandene Aussparungen: Abstand von Löchern zum Rand und zur Biegelinie (mindestens 2,5‑facher Materialdicke + Radius).
  6. Anzahl und Reihenfolge der Biegungen: Komplexe Geometrien erfordern Abstimmung mit dem Biegepartner, um Kollisionen zu vermeiden.
  7. Nacharbeit: Müssen Ecken verrundet oder Entgratet werden? Gibt es Oberflächenanforderungen?

Checkliste Pulverbeschichtung von Edelstahl

Um eine pulverbeschichtete Oberfläche zu erhalten, sollten Sie Folgendes bedenken:

  1. Werkstoff und Vorbehandlung: Geben Sie an, dass es sich um Edelstahl handelt, und ob bereits gestrahlt oder entfettet wurde.
  2. Schichtaufbau: Gewünschte Schichtdicke (z. B. 60–80 µm) und etwaige Mehrschichtsysteme (Grundierung, Deckbeschichtung).
  3. Farbe und Glanzgrad: RAL‑Ton, Struktur (glatt, fein strukturiert, matt, glänzend) und spezielle Effekte.
  4. Korrosionsschutz: Erhöhte Anforderungen an Offshore- oder Außenanwendungen erfordern spezielle Pulversysteme und ggf. Grundierung.
  5. Temperaturbeständigkeit: Bestimmte Edelstähle werden in heißen Umgebungen eingesetzt; geben Sie die maximale Betriebstemperatur an.
  6. Zertifizierungen: Benötigt der Beschichter Zertifikate nach DIN EN 1090 oder ISO 12944?

Praxisbeispiele und Anwendungen

Maschinen- und Anlagenbau

Im Maschinenbau kommen dicke Edelstahlplatten in Rahmenkonstruktionen, Pumpengehäusen oder Aggregatabdeckungen vor. Durch das präzise Laserschneiden lassen sich komplexe Ausschnitte und Gewinde­löcher direkt herstellen. Anschließend werden die Bleche mit Radiuswerkzeugen gebogen, um stabile Profile zu formen. Eine Pulverbeschichtung schützt die Maschinen vor Korrosion und verleiht eine ästhetische Oberfläche.

Nahrungsmittel- und Medizintechnik

In hygienisch sensiblen Bereichen wie der Nahrungsmittel- und Medizintechnik wird Edelstahl wegen seiner Korrosionsbeständigkeit und leichten Reinigbarkeit bevorzugt. Für dicke Bleche in Schneidtischen oder Behältern müssen die Schnittkanten glatt und kontaminationsfrei sein. Nach dem Lasern wird häufig schweißnahtlose Verbindungstechnik verwendet, bevor die Oberfläche passiviert oder pulverbeschichtet wird.

Architektur und Fassadenbau

Architekten nutzen Edelstahl für hochwertige Fassadenverkleidungen, Balustraden und Vordächer. Großformatige Platten mit individuellen Aussparungen werden per Laserschnitt hergestellt. Um das Material an Gebäudeformen anzupassen, werden die Bleche großflächig gebogen. Anschließend kann eine farbige Pulverbeschichtung die Optik veredeln und vor Umwelteinflüssen schützen.

Chemische Prozessindustrie

In Chemieanlagen kommen dicke Edelstahlwände in Behältern und Rohrleitungen vor. Hier zählen Maßhaltigkeit und Dichtheit. Laserbearbeitung ermöglicht präzise Ausschnitte für Flansche und Anschlüsse, während das Biegen von Zargen und Flanschen mithilfe großer Pressen erfolgt. Eine anschließende Pulverbeschichtung ist selten, da das blanke Metall oft ausreicht; stattdessen wird passiviert.

Luft- und Raumfahrt

Stainless steel is used in aerospace for its strength and temperature resistance. Components such as brackets, mountings, or enclosures are cut from thick plates. Laser cutting ensures tight tolerances; bending forms complex brackets. For aerospace grade surfaces, passivation or special coatings are applied rather than powder coating; however, similar pre-treatments apply to ensure adhesion for paint.

Prototyping und 3D‑Druck Integration

Bei der Prototypenfertigung werden Laserschnitt und 3D‑Druck kombiniert: Flache Edelstahlteile werden mit dem Laser zugeschnitten und anschließend gebogen, während komplexe Geometrien additiv gefertigt werden. Powder‑coat finishes ermöglichen eine schnelle funktionsfähige Oberfläche. Wärmeverzug wird durch kleine Schnittmengen und optimierte Parameter minimiert.

Edelstahl lasern Konstruktion

FAQ

Wie dickes Edelstahl kann man mit einem Laser schneiden?

Mit modernen Anlagen lassen sich 1–5 mm Dicke leicht schneiden. Ab 8–10 mm ist eine Leistung von etwa 2–3 kW erforderlich. Ab 12–20 mm sollten Faserlaser mit 3–6 kW eingesetzt werden. Über 25 mm wird die Prozessgeschwindigkeit sehr langsam, und alternative Verfahren könnten wirtschaftlicher sein.

Warum verzieht sich Edelstahl beim Lasern?

Wärmeverzug entsteht durch ungleichmäßige Erwärmung und Abkühlung. Lokale Erwärmung führt zu Expansion, die beim Abkühlen zu Schrumpfspannungen wird. Wenn diese Spannungen freigesetzt werden, verformt sich das Bauteil. Eine optimierte Schnittfolge, höhere Geschwindigkeit und der Einsatz von Mikrojoints können das Risiko reduzieren.

Welche Laserleistung ist für 10 mm dicke Bleche nötig?

Für 10 mm Edelstahl sollte eine Leistung von mindestens 2 kW vorgesehen werden. Bei 3 kW sind die Ergebnisse deutlich besser und die Schnittgeschwindigkeit höher. Wichtig ist zudem die Kombination aus geeigneter Düse, Stickstoff als Gas und einem leicht negativen Fokus.

Wie berechnet man den Biegeradius bei Edelstahl?

Der Innenradius ergibt sich aus der Materialdicke multipliziert mit einem K‑Faktor (R = K × t). Typische K‑Werte liegen für Edelstahl bei 0,8–1,5. Zusätzlich müssen die Werkzeuggeometrie, der Biegewinkel und die Walzrichtung berücksichtigt werden. Ein Radius von mindestens der Materialdicke ist empfehlenswert, um Rissbildung zu vermeiden.

Welche Vorbehandlung benötigt Edelstahl vor der Pulverbeschichtung?

Edelstahl besitzt eine stabile Oxidschicht, die vor dem Pulverbeschichten entfernt werden muss. Mechanisches Strahlen (z. B. Glasperlen oder Korund) schafft eine raue Oberfläche. Anschließend sollte das Teil entfettet, gespült und eventuell passiviert werden. Nur so haftet das Pulver dauerhaft.

Kann man dicken Edelstahl besser mit Plasma- oder Wasserstrahlschneidern bearbeiten?

Ja. Bei Materialstärken über 25 mm kann das Schneiden mit Laser unwirtschaftlich werden. Wasserstrahl-Schneiden erzeugt keine HAZ und schneidet sehr dicke Bleche präzise, ist jedoch langsamer und teurer. Plasma-Schneiden ist schneller und günstiger, erzeugt aber gröbere Kanten. Für mittlere Dicke von 10–20 mm ist der Laser in der Regel effizienter.

Wie beeinflusst der Assistenzgasdruck das Schneiden?

Ein hoher Gasdruck unterstützt das schnelle Entfernen der Schmelze und kühlt die Schnittfläche. Bei dickem Edelstahl kann der Gasdruck 10–20 bar betragen. Zu geringer Druck führt zu Graten und Verfärbungen; zu hoher Druck kann den Laserstrahl ablenken.

Welche Rolle spielt die Frequenz bei gepulsten Faserlasern?

Die Pulsfrequenz bestimmt, wie viele Energiepakete pro Sekunde auf das Material treffen. Eine mittlere Frequenz (z. B. 100–500 Hz) sorgt für einen ausgewogenen Wärmeeintrag. Zu niedrige Frequenzen können ungeschnittene Bereiche hinterlassen, zu hohe Frequenzen erhöhen die HAZ.

Warum ist die Walzrichtung beim Biegen wichtig?

Die Fasern im Blech laufen in Walzrichtung. Biegen parallel zur Walzrichtung erhöht das Risiko von Rissen; quer dazu ist das Material dehnbarer. Bei dicken Edelstählen sollte immer quer gebogen oder ein größerer Radius gewählt werden.

Eignet sich Edelstahl immer für die Pulverbeschichtung?

Nein. Edelstahl wird seltener pulverbeschichtet als Stahl oder Aluminium. Seine eigene Korrosionsbeständigkeit macht eine Beschichtung oft überflüssig. Wird eine Beschichtung aus optischen oder hygienischen Gründen gewünscht, muss die Vorbehandlung sehr sorgfältig durchgeführt werden, und es sind spezielle Pulver mit guter Haftung erforderlich.

Das Lasern von Edelstahl eröffnet bei dicken Blechen zahlreiche Möglichkeiten, stellt aber auch hohe Anforderungen an Technik und Prozessführung. Materialdicke, Leistung, Geschwindigkeit, Gaswahl und Fokus bestimmen, ob der Schnitt glatt, gratarm und maßhaltig ist. Wärmeverzug ist kein Zufall – er entsteht durch ungleichmäßige Erwärmung und lässt sich durch optimierte Schneidreihenfolge, Mikrojoints und hohe Schnittgeschwindigkeit deutlich reduzieren. Für die anschließende Weiterverarbeitung wie Metall biegen und Pulverbeschichten gelten eigene Regeln: ausreichend große Biegeradien, definierte K‑Faktoren und eine gründliche Vorbehandlung sichern die Qualität. Wenn Sie diese Faktoren berücksichtigen, können Sie dicke Edelstahlplatten wirtschaftlich schneiden, verformen und veredeln. Die Wahl des geeigneten Lasertyps und die enge Abstimmung mit Ihrem Fertigungspartner sind entscheidend, um optimale Ergebnisse zu erzielen.

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